Abschnitt 5

Kompetenzen für eine gendersensiblen Berufsberatung

Eine gendersensible Berufsberatung stellt sicher, dass Schüler*innen ihre Entscheidungen auf der Grundlage ihrer Fähigkeiten und Interessen treffen und nicht aufgrund gesellschaftlicher Erwartungen. In Abschnitt 1 wird untersucht, wie geschlechtsspezifische Vorurteile in der Berufsberatung fortbestehen und die Berufswünsche der Schüler*innen subtil beeinflussen. Diese Vorurteile wirken sich nicht nur auf die Berufswahl aus, sondern auch auf das Selbstvertrauen von Schüler*innen, die nicht-traditionelle Berufswege einschlagen möchten.

Um diesen Vorurteilen entgegenzuwirken, sollte der Schwerpunkt auf folgenden Punkten liegen:

– Unbewusste Vorurteile in der Berufsberatung erkennen und abbauen.

– Hinterfragen stereotyper Berufsvorstellungen durch aktive Diskussionen und Medienanalyse.

– Förderung eines gerechten Zugangs zu Berufsressourcen und -chancen für alle Schüler*innen.

Förderung von Mentoring und Darstellung vielfältiger Vorbilder in verschiedenen Berufen.

Multimedia-Ressourcen wie kurze Videos und Podcasts können das Engagement fördern und unterschiedliche Lernpräferenzen unterstützen, indem sie dynamische Möglichkeiten bieten, Berufsmöglichkeiten zu erkunden, die über traditionelle Geschlechternormen hinausgehen.

Globale Initiativen wie MINT-Mentor*innenprogramme für Mädchen und Kampagnen, die Jungen dazu ermutigen, Pflegeberufe zu ergreifen, betonen die Notwendigkeit einer strukturierten Berufsberatung, die frei von geschlechtsspezifischen Zwängen ist.

Berufsberater*innen können zum Abbau von Stereotypen beitragen, indem Sie die folgenden Schritte umsetzen:

Verwenden Sie geschlechtsneutrale Berufseignungstests.

Bitten Sie die Schüler*innen, ihre Berufswünsche und Motivationen zu identifizieren und darüber nachzudenken, ob Geschlechternormen ihre Entscheidungen beeinflusst haben.

Führen Sie ein Quiz zum Thema Geschlechterbewusstsein durch, um Stereotypen zu hinterfragen.

  • Diskussion in der Gruppe darüber anregen, wie das Geschlecht die Berufsvorstellungen beeinflusst.
  • Erfolgsgeschichten von Personen in nicht-traditionellen Rollen vorstellen.
  • Rollenspiele einsetzen, um den Schüler*innen zu helfen, geschlechtsspezifische Vorurteile zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.
  • Organisieren Sie Mentor*innenenprogramme, in denen Schüler*innen mit Fachleuten aus verschiedenen Bereichen zusammengebracht werden, in denen das jeweils andere Geschlecht unterrepräsentiert ist.
  • Nutzen Sie Materialien, die geschlechtsdiverse Vorbilder vorstellt.
  • Verwenden Sie ein Arbeitsblatt zur Planung individueller Berufswege, um die Schritte zu skizzieren, die zum Erreichen der beruflichen Ziele erforderlich sind.
  • Ermutigen Sie die Schüler*innen, sich auf der Grundlage ihrer Stärken und Ziele langfristige und kurzfristige Ziele zu setzen.

Zur Unterstützung einer geschlechtersensiblen Berufsberatung finden Sie nachfolgend eine Übersicht über Instrumente für die Praxis:

1. Gendersensible Instrumente zur beruflichen Orientierung:

  • O*NET Interest Profiler (USA): Kostenloses Instrument zur Erkundung von Berufen auf der Grundlage von Interessen, das darauf ausgelegt ist, geschlechtsspezifische Vorurteile zu minimieren. Website
  • MyFuture (Australien): Ein Instrument zur beruflichen Orientierung, das geschlechtsneutrale Empfehlungen gibt. Website

2. Tools zur Erkennung und Bekämpfung von geschlechtsspezifischen Vorurteilen

  • Harvard Implicit Association Test (IAT): Misst unbewusste geschlechtsspezifische Vorurteile in der Wahrnehmung von Berufen. Website
  • UNESCO Gender-Sensitive Indicators for Career Media: Hilft dabei, geschlechtsspezifische Vorurteile in berufsbezogenen Materialien zu identifizieren und abzubauen. Website

3. Digitale Plattformen zur Unterstützung geschlechtergerechter Karrierewege

  • Career Girls (weltweit): Kostenlose Online-Plattform mit Videos über Frauen aus verschiedenste Professionen. Website
  • UWISE (Großbritannien – Frauen in Wissenschaft und Technik): Bietet Materialien zur Berufsberatung, um Frauen in MINT-Berufen zu fördern. Website

4. Materialien für gendersensible Berufsberatung

  • ILO-Toolkit zu Gender und Berufsberatung: Ein Leitfaden für gendersensible Berufsberatung. Website
  • Schulung zu Gleichberechtigung, Vielfalt und Inklusion für Berater*innen: Programme, die Fachleuten dabei helfen sollen, geschlechterbewusste Beratung zu integrieren.

5. Mentoring- und Networking-Tools für Geschlechtervielfalt

  • Million Women Mentors (weltweit): Eine Bewegung, die berufstätige Frauen im MINT-Bereich mit Mädchen verbindet, die sich für eine MINT-Laufbahn interessieren. Website
  • Lean In Circles (weltweit): Peer-Mentoring-Plattform zur Förderung der Führungskompetenzen von Frauen. Website

6. Gender-sensitive Plattformen für die Jobsuche und Karriereentwicklung

  • Fairygodboss (USA & weltweit): Jobportal mit Unternehmensbewertungen basierend auf der Geschlechtergleichstellung am Arbeitsplatz. Website
  • Equalture (Europa): Rekrutierungsplattform, die bei der Einstellung vorurteilsfreie Bewertungsinstrumente einsetzt. Website

Um eine gendersensible Berufsberatung zu fördern, ist es unerlässlich, Fallbeispiele und bewährte Praktiken zu berücksichtigen, die dieses Thema wirksam angehen. Nachfolgend finden Sie einige relevante Beispiele:

1. Gender-neutraler Berufsberatung an Schulen

Kontext: Schulen in Dänemark haben ein strukturiertes, gender-neutrales Berufsberatungsprogramm eingeführt.

Ansatz:

  • Berufsberater*innen wurden in Bezug auf Geschlechtervorurteile und inklusive Sprache
  • Es wurde ein Berufs-Toolkit mit geschlechtsneutralen Vorbildern eingeführt.
  • Für Schüler*innen wurden Workshops zum Thema „Überwindung von Berufsstereotypen” angeboten.

Ergebnis: Größere Vielfalt bei der Berufswahl, da mehr Mädchen MINT-Fächer belegen und mehr Jungen Pflegeberufe in Betracht ziehen.

2. Initiative „STEM for All“ – Brückenschlag zur Überwindung der Geschlechterkluft

Kontext: Eine von der EU finanzierte Initiative mit dem Ziel, den Anteil von Frauen in MINT-Berufen zu erhöhen.

Ansatz:

  • Schulische Maßnahmen mit Mentoring durch weibliche MINT-Fachkräfte.
  • Stipendienprogramme für junge Frauen in den Bereichen Ingenieurwesen und IT.
  • Sensibilisierungskampagnen für Eltern und Pädagog*innen.

Ergebnis: Höhere Einschreibungszahlen von Frauen in MINT-Studiengängen und größere Sichtbarkeit von weiblichen Fachkräften in traditionell von Männern dominierten Bereichen.

3. Männer für Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen begeistern

Kontext: Eine nationale Kampagne in Schweden mit dem Ziel, den Anteil männlicher Beschäftigter in der Pflege und im Bildungswesen zu erhöhen.

Ansatz:

  • Mentoren-Netzwerke für Männer, die junge Männer mit Fachleuten aus der Praxis zusammenbringen.
  • Werbekampagnen, die Männer in Pflegeberufen zeigen.
  • Finanzielle Anreize für männliche Studierende, die einen Abschluss im Gesundheits- und Sozialwesen anstreben.

Ergebnis: Verbesserte Geschlechterdiversität in Pflege- und Bildungsprogrammen, was zu einer ausgewogeneren Belegschaft beiträgt.

Diese Fallbeispiele zeigen, wie Berufsberatung gerechter und gendersensibler gestaltet werden kann, um faire Chancen für alle zu gewährleisten.

Um unterschiedliche Lernstile zu unterstützen, können Berufsberater*innen Folgendes nutzen:

  • Breaking Barriers: Geschichten von Fachleuten, die sich über Geschlechternormen hinwegsetzen. Dieser Podcast würdigt Unternehmer*innen und motivierte Menschen, die Herausforderungen gemeistert haben, und teilt ihre Erfahrungen, um andere zu inspirieren – https://podcasts.apple.com/us/podcast/breaking-barriers/id1399123538
  • STEM Without Limits: Frauen und Minderheiten in Wissenschaft und Technologie.
  • TED Talk: Geschlechterstereotypen in der Berufswelt – Eine Untersuchung geschlechtsspezifischer Vorurteile bei der beruflichen Orientierung. In diesem Vortrag untersucht Leah Sheppard, wie gesellschaftliche Erwartungen die Berufswahl einschränken, und gibt Einblicke, wie diese Vorurteile überwunden werden können. Ansehen
  • Nicht-traditionelle Berufswege – Porträts von Menschen in unterschiedlichen Berufen. Dieses Video porträtiert Menschen, die unterschiedliche Berufe ergriffen haben und sich damit von traditionellen Geschlechterrollen gelöst haben. Ansehen
  • Iloakasia, A. J. (2024). Career Guidance Programs and the Impact They Have in Eradicating Gender Imbalances in STEM Education. Action Research Journal Indonesia (ARJI), 6(3), 53–65. https://doi.org/10.61227
  • Luyckx, K., Dierickx, E., & Ardies, J. (2023). Empowering teachers’ gender sensitivity. Australasian Journal of Technology Education, 9.
  • Nota, L., & Soresi, S. (2017). Counseling and Coaching in Times of Crisis and Transition. Routledge.
  • Serbova, O. V., Saenko, S. V., & Rudenko, O. V. (2022). The model of gender sensitivity formation in career guidance work. Psychology and Social Work, 2(54), 215–228.

Kompetenzen für eine gendersensiblen Berufsberatung

Warum ist eine gendersensible Berufsberatung wichtig?
Was trägt zu geschlechtsspezifischen Vorurteilen in der Berufsberatung bei?
Was ist eine wichtige Methode, um geschlechtsspezifische Vorurteile in der Berufsberatung zu reduzieren?
Wie können Berufsberater*innen Schüler*innen dabei unterstützen, geschlechtsspezifische Vorurteile bei der Berufswahl zu überwinden?
Welche der folgenden Methoden ist eine geschlechtersensible Praxis in der Berufsberatung?
Wie kann eine geschlechtersensible Berufsberatung in Schulen wirksam gefördert werden?

Richtige Antworten: A, B, B, A, A, A